Stadt finanziert Blockadeschulung im Juzi

CDU protestiert gegen Kaderschulungen auf Kosten der Steuerzahler

Erfolgreicher Widerstand gegen Polizeieinsätze – das ist ein Workshop-Thema des Jugendzentrums Innenstadt (Juzi). Dafür und für über fünfzig andere Veranstaltungen soll die von der Stadt Göttingen getragene Einrichtung nun in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 13. Juni einen außerordentlichen Zuschuss von über 5.000 Euro erhalten. Die CDU wird dies nicht nur wegen einzelner Themen ablehnen, sondern weil weder aus dem Antrag noch auf der Juzi-Homepage ersichtlich ist, ob diese Veranstaltungen überhaupt stattfinden. Weder werden die Vortragenden benannt – mit zwei Ausnahmen - noch Datum und Uhrzeit.

Vor Ort kann eine Überprüfung - in sehr spezieller Göttinger „Tradition“ – allein schon deshalb nicht funktionieren, weil es Politik und Verwaltung verwehrt wird, einfach mal so in die städtische Einrichtung hereinzuschauen. Auf der Juzi-Homepage „www.juzi.de“ werden zwar regelmäßige „Stammtische“ aufgelistet und Konzerttermine, aber mit keiner Silbe die Vortragsveranstaltungen, für die das Juzi bereits in der Vergangenheit von einer rot-grünen Ratsmehrheit entsprechende Zuschüsse erhalten hat. So muss der Eindruck entstehen, dass es sich hier keineswegs um ein Jugendzentrum im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen „closed shop“ für eine handverlesene Klientel mit linksextremen Grundeinstellungen; eine Kaderschmiede unter rot-rot-grünem Schutzschirm, finanziert vom tumben Steuerzahler, der noch an den Rechtsstaat glaubt.

Die CDU-Ratsfraktion reagiert mit Unverständnis auf die anhaltende „Toleranz“ der rot-grünen Haushaltsmehrheit im Rat, die nichts dabei findet, dass in solch einem Antrag „mit der Ermordung der Antifaschistin Conny W. durch die Polizei“ zum wiederholten Mal Geschichtsverfälschung betrieben wird. Die Hoffnung, dass sich nach den bürgerkriegsähnlichen Ereignissen in Hamburg wenigstens bei der abstürzenden Sozialdemokratie ein gewisses Maß an Besinnung im Umgang mit linksextremen Kräften in Göttingen einstellen würde, hat wohl getrogen.

Exemplarisch benennt die CDU im Juzi-Antrag einen weiteren Workshop: Hier soll nicht nur gezeigt werden, wie (Klebe-)Sticker hergestellt werden, es werden auch noch 100 Euro Materialkosten beantragt. Für die Fraktion ist dies vollends der Hohn: Die Stadt Göttingen finanziert den Druck von Stickern, die dann hinterher städtische Mitarbeiter mit einem vielfachen Aufwand von Laternenmasten und anderen Flächen wieder entfernen müssen.

 

Auszüge aus dem 20-seitigen Antrag vom 22. Mai 2019 – „Mit antifaschistischen Grüßen aus dem Juzi“ (Anschreiben ohne Namensnennung):

 

S. 5, 1. Absatz:

Danke, Antifa! II – Geschichte der Antifa in Göttingen (Vortrag mit Diskussion)

 

Wir wollen mit diesem Workshop gerade Neulinge im JuZI begrüßen und einen historischen Einblick über Antifaschismus in Göttingen geben. Dabei starten wir in den 1980er Jahren; hierbei werden die Aktivitäten von Nazis wie Karl Polacek und Thorsten Heise zentral sein. Wir werden uns daraufhin mit der Ermordung der Antifaschistin Conny W. durch die Polizei und von Alexander S. durch Neonazis befassen. Die anschließenden Auseinandersetzungen mit der Polizei und den Nazis werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Die 1990er Jahre nach der Wende und die Auflösung der FAP. Die Naziaufmärsche in Göttingen bis hin zum letzten Aufmarsch-Versuch 2006 werden thematisiert.

 

Honorar: 150 Euro

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S. 7, 1. Absatz:

B) Do it yourself / Empowerment / praktische Workshops

 

Sticker Workshop

Zwischen Raumaneignung und Illegalisierung: Ein Blick auf feministisches Stickern in Göttingen. „Stickern“ ist Teil einer Kommunikationskultur, die auch für feministische Gruppen eine Form der Raumaneignung sein kann. So bieten Aufkleber die Möglichkeit, emanzipatorische Themen an Orte zu bringen, an denen sie üblicherweise nicht erwartet werden. Ordnungsbehörden ist die Politisierung des öffentlichen Raumes mitunter ein Dorn im Auge. Auch geben Städte und Kommunen jährlich Unsummen für die Entfernung von Stickern, Plakaten und anderer StreetArt aus. Wie sieht es in der Göttinger Innenstadt aus? Welche feministischen und antifeministischen Aufkleber gab es in den letzten Monaten? Was sind Ereignisse, die die Stickerei ankurbeln und was hat sich allein im letzten Jahr verändert?

 

Vor und nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, Sticker zu basteln, zu tauschen und zu verschenken. Bringt gern eure (alten) Stickeralben mit!

 

Honorar: 150 €; Material: 100 €

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S.  8. 1. Absatz:

Blockade- und Aktionstraining  (Workshop)

Immer wieder fährt die Polizei alles, was sie hat, auf, um rechte Kundgebungen und Demos gegen antifaschistische Blockadeversuche durchzusetzen. Dabei kann es auch schon mal hektisch werden. Wir wollen vorstellen, wie gängige Polizeitaktiken funktionieren und gemeinsam mit euch Techniken üben, wie wir trotzdem erfolgreich sein und rechte Veranstaltungen verhindern können. Folgendes wird Thema sein: Was nehme ich auf eine Demo mit und was nicht? Wie geht eine Sitzblockade? Was ist eine Bezugsgruppe? Wie funktioniert eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE)? Wie stelle ich sicher, dass meine Freund*innen und ich uns wohlfühlen?

 

Die Veranstaltung ist sowohl für Demoanfänger*innen als auch für „alte Hasen“ geeignet.

 

Honorar: 150 €

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