CDU Bürger-Barometer

Viele Göttinger wollen Stadthalle lieber abreißen

Die Göttinger Stadthalle wird abgerissen – wenn es nach dem Ergebnis des Bürger-Barometers am Sonnabendmittag vor dem Alten Rathaus geht. Die CDU-Ratsfraktion hatte den Bürgern die Wahl zwischen Neubau und Sanierung gegeben.

Etwa im Verhältnis vier zu eins stimmten die Teilnehmer für den Abriss. Augenfällig wurde das durch orangefarbene Tischtennisbälle, mit denen die Bürger ihr Votum kundtun konnten: Jeder Teilnehmer durfte einen Ball entweder in die Plexiglas-Röhre „Sanierung“ oder „Neubau“ werfen.

Am Ende war die orangefarbene Neubau-Säule viermal höher als im Sanierungs-Rohr. Um den Bürgern die Entscheidung zu erleichtern, hatten die Christdemokraten für beide Optionen einen „Faktencheck“ auf großen Tafeln aufgelistet, der trotz der eindeutigen Haltung der Rats-CDU für einen Abriss samt Neubau nicht nur informativ, sondern auch neutral ausfiel. So sei eine Sanierung energetisch günstiger und schneller fertig als ein Neubau, hieß es im Faktencheck. Außerdem bliebe der baudenkmalerische Wert der Stadthalle erhalten.

Zehn Millionen mehr

Anlass für das christdemokratische Bürger-Barometer waren die stark angestiegenen Kosten für die Sanierung der Stadthalle am Albani-Platz: Ende Januar war bekannt geworden, dass die bereits begonnene Sanierung zehn Millionen Euro teurer wird als bisher berechnet: nämlich 29,5 statt 19,5 Millionen Euro. Seitdem gibt es nicht nur in der Lokalpolitik eine heftige Debatte darüber – und darüber, ob ein Neubaunicht (kosten-)vernünftiger sei als die Sanierung.

„Eine Sanierung ist immer teurer als ein Neubau“, erklärte CDU-Fraktionschef Olaf Feuerstein am Sonnabend am Göttinger Markt. Am Bürger-Barometer habe sich jeder Teilnehmer zwei Minuten mit dem Thema Stadthalle auseinandersetzen und seine Meinung bilden können, wenn er sie nicht schon vorher gehabt habe. Feuerstein: „Wir haben noch nicht mal Bonbons oder Ähnliches verteilt, aber viele Göttinger haben gerne mitgemacht.“

 

Energiegeladener Beton

Göttingens Grünen-Ratsmitglied Ulrich Holefleisch warf seinen Tischtennisball in die Sanierungs-Säule: „Die energetischen Kosten des in der Stadthalle verbauten Betons entsprechen ungefähr denjenigen von 30 Jahren Betrieb.“ Dies würde durch einen Abriss einfach vernichtet. Holefleischs Ehefrau Lore hingegen bevorzugte das Neubau-Rohr.

Ebenso Christina Durst und Jonas Noswitz, die allerdings nach ihrem Studium vor einem Jahr aus Göttingen weggezogen sind. Der Stadt fühlen sie sich allerdings immer noch verbunden und besuchen wie an diesem Wochenende Freunde von früher. Ihre Meinung ist eindeutig: „Auch wenn wir nicht mehr hier wohnen“, meinte Durst, „ist die Stadthalle immer noch hässlich.“

Bürger-Barometer öfter

Die Idee zum Bürger-Barometer mit Plexiglas-Rohren und Tischtennisbällen hatte Lauritz Kawe, neuer Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion. „Die Leute sind wirklich froh, ihre Meinung auf diese direkte Weise ausdrücken zu können“, meinte der 25-Jährige. Im Vorfeld hatte Fraktionschef Feuerstein erklärt, die CDU-Fraktion habe „das Gefühl, dass aktuell viel über die Köpfe der Menschen hinwegregiert wird“. Nach der regen Beteiligung am Sonnabend auf dem Markt meinte Wiebke Güntzler, CDU-Lokalpolitikerin und für die Union im Göttinger Stadtrat, es sei durchaus denkbar, dass die CDU in Zukunft bei politischen Fragen das Bürger-Barometer öfter einsetzen werde.

 

Copyright Foto und Text Göttinger Tageblatt/Matthias Heinzel

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