Anträge in Ausschüssen

Bedarf an Sprachlernklassen und deren Finanzierung

Die CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt Göttingen fragt die Verwaltung, 1. Welchen Bedarf an Sprachlernklassen und zusätzlichen additiven Maßnahmen nach § 54 Niedersächsischem Schulgesetz gibt es derzeit je nach Schulform infolge der ansteigenden Zahlen an minderjährigen Flüchtlingen voraussichtlich im Jahr 2015? 2. Welche Sprachlernklassen neben den 10 existierenden sind in Göttingen schon beantragt? 3. Wie erfolgt die Finanzierung neuer Sprachlernklassen? 4. Wie kann vermieden werden, dass die dringend nötige gleichberechtigte Teilhabe von Kindern mit Flüchtlings- oder Zuwanderungsgeschichte an der Bildung zu Einschnitten bei der Förderung anderer förderungsbedürftiger Kinder führt? 5. Wie gestaltete sich die Genehmigung von Sprachlernklassen bisher und welche Änderungen ergeben sich nach den Vorgaben der Landesregierung aktuell, insbesondere hinsichtlich des Zugriffs auf Mittel, die an sich für andere Fördermaßnahmen an Schulen vorgesehen sind? 6. Reichen die Mittel für Förderkurse und Förderunterricht für Spracherwerb aus und kann gleichzeitig dem Förderbedarf anderer Kinder entsprochen werden? 7. Sind Sprachlernangebote für Deutsch als Zweitsprache in den Ganztagsbereich bereits aufgenommen? Wie werden diese besonderen Angebote in Zukunft finanziert? Begründung: Bei steigenden Zahlen an Flüchtlingen, viele davon Kinder und Jugendliche, stellt sich die Frage nach ausreichenden Sprachlernangeboten akut. Die bestehenden Sprachlernklassen reichen nach Auskunft der Verwaltung nicht aus. In Sprachlernklassen können Kinder mit anderer Muttersprache jedoch die grundlegenden deutschen Sprachkenntnisse deutlich besser erwerben, als wenn sie in üblichen Klassen quasi mitlaufen und wenige Förderstunden erhalten. Das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe an der Bildung gerade für Kinder mit besonderem Förderungsbedarf und nicht ausreichenden Deutschkenntnissen erfordert, dass die Kommune Göttingen die Grundlagen für Chancengerechtigkeit schafft. Dazu gehören bei Kindern von Flüchtlingen und Zuwanderern namentlich Sprachlernklassen. Im Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums (Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache, Erlass vom 1.7.2014, Nr. 22410) ist ausgeführt: „Die gleichberechtigte Teilhabe und Förderung von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache sind Bestandteil des Bildungsauftrages und deshalb in das pädagogische Konzept und in das Curriculum der Schule aufzunehmen.“ Aus dem Erlass geht hervor, dass grundsätzlich Sprachlernklassen vorzuziehen sind: „Wenn die deutschen Sprachkenntnisse fehlen oder so gering sind, dass sie für eine Teilnahme am Unterricht der Regelklasse nicht ausreichen, sollen die Schülerinnen und Schüler zunächst am Unterricht einer Sprachlernklasse gemäß Nr. 3.2 teilnehmen. Sollte in erreichbarer Nähe keine Sprachlernklasse vorhanden sein, sind sie in Regelklassen aufzunehmen und gemäß Nrn. 3.3 oder 3.4 zu fördern.“ Damit sind Förderkurse und Förderunterricht angesprochen. Für diese Maßnahmenbündel für Sprachförderung stehen derzeit landesweit 36900 Lehrerstunden zur Verfügung, zuzüglich eines einmaligen Sondertopfes von 500.000 € für 2015. Aufgegliedert nach Maßnahmen hat die Landesregierung dies trotz einer Anfrage der FDP-Fraktion nicht. Wesentlich für die anfragende CDU/FDP Gruppe ist, dass sowohl dem Förderbedarf der Flüchtlingskinder und dem der Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen einerseits als auch den Förderbedarfen aller Kinder in anderen Bereichen (wie Mathematik) andererseits entsprochen wird. Die erfolgreichen kleineren Schulen wie namentlich die aufgegebenen Hauptschulen hinterlassen hier in Göttingen eine Lücke, die es dringend zu füllen gilt, um Chancengerechtigkeit für Kinder von Flüchtlingen und Zuwanderern zu gewährleisten.
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